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...Bauch hatte Recht.

Am nächsten Morgen (mein Nagel ist noch dran und gut abgepolstert) fliegen A., S. und J. ein. A. kenne ich bereits vom letzten Oktober. Die anderen beiden sind neu an Bord. Während ich meine Wäsche aus der Wäscherei abhole (und diese dort erst einmal samt Tasche suchen muß) machen die drei zur Abschreckung kurz eine Wanderung über die Flaniermeile von Skiathos, die jetzt Ende Juli zu voller farbenfroher Pracht erblüht. Will sagen, vor lauter Touristen ist kaum noch ein durchkommen. Den Einkauf überlasse ich den drei neuen und nach der Einweisung geht es los. Noch während der Einweisung legt sich eine sehr große Motoryacht im rechten Winkel zu uns. Ich bin nun nicht mehr ganz bei der Sache weil ich mich frage, ob wir überhaupt noch loskommen, falls der Riesenkahn seine beiden nicht gerade dünnen Ankerketten über unsere gelegt hat.

Zum Glück geht es noch. Aber hätte ich 10m mehr Kette draußen gehabt...

Nea Klima ist natürlich das Kontrastprogramm zu Skiathos. Hier versucht man des Wespenproblems inzwischen mit Fisch und Klebstoff Herr zu werden:





Beim Abendessen bei O Vagellis verabschiede ich mich von der netten Restaurantsfamilie, da Sioned dieses Jahr wohl nicht wieder nach Skopelos zurückkehren wird und wir am nächsten Tag bereits nach Alonissos weiterfahren. In der Ormos Votsi sind gerade die Chaostage ausgebrochen. Wo normalerweise bis zu 12 Boote schön nebeneinader mit Buganker und Landleine liegen können, haben heute nur 3 Platz, weil drei Vollpfosten meinen, sie müssten frei Ankern und zwei weitere mitten in der Bucht vor Bug und Heckanger parallel zu den Felsen liegen und dabei ihre Heckankerleine auch noch über die halbe Bucht spannen.

Irgendwie mogeln wir uns trotzdem noch rein und genießen einen schönen Sonnenuntergang bei Dimitris.

Wir müssen den Aufenthalt in den Sporaden leider abkürzen, da die Kefireas Straße zwischen Euböa und Andros demnächst wegen Meltemi praktisch unpassierbar wird. Darum geht es bereits am nächsten Tag weiter nach Linari auf Skyros und wir können endlich mal den Blister wieder durchlüften. Der Hafen ist voll, aber Bojenplätze noch genügend vorhanden und beim Abendessen bekomme ich zum ersten mal eine Fischsuppe als Bausatz: Der Fisch aus dem die Suppe gekocht wurde, wird separat mitgeliefert, damit ich das Fleisch noch in die Suppe packen kann.

Weiter geht es nach Ormos Petries, bewährter Zwischenstopp auf der Ostseite von Euböa und von dort weiter nach Karystos, wo wir nur mit Schieben und Drücken dank der einsetzenden Böen auf unseren Platz kommen. Später macht neben uns noch eine Charteryacht mit einer Crew aus Jordanien (!) fest. Gemeinsam spinnen wir etwas Makrame um unsere Schiffe gegen den aufkommenden Sturm sicher zu vertäuen.
Pünktlich setzt auch der Meltemi ein und wir messen im Hafen Böen mit bis zu 52 kn, also satte 10 Bft.





Drei Tage bleiben wir hier. S. macht es sich am Strand bequem, nachdem er beim Joggen den Berg hoch fast weggepustet worden wäre. J. geht es bei gemächlicherer Gangart tagsdrauf auch nicht besser.
A. macht Bekanntschaft mit Seeigeln und der griechische Doktor empfiehlt telefonisch den Fuß in warmem Olivenöl zu baden. Dann gehen die Stachel besser raus. Mehr könne er auch nicht machen.

Am Donnerstag, dem vierten Tag nach unserer Ankunft, zeichnet sich ein Abflauen ab. Man ist ja irgendwie moralisch verpflichtet, den Gästen etwas Segeln zu bieten und nicht nur Hafenliegezeit. Ja, es bläst am Donnerstag Morgen noch recht ordentlich aber Karystos ist für seine heftigen Fallböen bekannt und weiter draußen wäre mit handlichen 6-7 zu rechnen, was bei achterlichem Kurs nun nicht wirklich ein Problem darstellt. Bauch sagt zwar, Sch... aufs Segeln, hier liegen wir geschützt und einigermaßen ruhig und haben gute Tavernen und Zimtschnecken (!), Kopf weiß es aber besser und wir legen ab.

Das geht eigentlich auch ganz problemlos. Während die Jungs achtern noch dabei sind, das Dinghy in die Davits zu hängen, lernt dieses Fliegen (knapp 60 kg mit AB !) und macht einen Kopfstand - ebenfalls sammt AB. Dadurch geringfügig abgelenkt bekomme ich erstmal gar nicht mit, daß wir den Anker des Holländers, der am Vorabend noch auf unsere freie Seite kam, mit nehmen. Er hatte seine Kette wohl über unserer gelegt, aber ich schreibe es erstmal dem hohen Winddruck zu, daß unsere Winsch so schwer zu schaffen hat. Erst als beide Anker schon oben sind und die Leute auf den Booten an Land so komische Tänze aufführen wird das Problem klar. Zum Glück kann J. den Anker schnell befreien und zur Baustelle achtern zurückkehren.

Mit Hilfe des Besanfalls wird das Dinghy wieder aufgerichtet und wir fahren erstmal aus dem Hafen um vor dem Strand bei nun 45kn Wind nochmal zu Ankern. Der Außenborder kommt erstmal unter Deck, während um uns Herum die Gischt fliegt. Nachdem das Dinghy nun endlich in den Davits hängt können wir los. Anker auf und Fock ausrollen. Böser Fehler. Nur mit der Fock laufen wir zwar fast 10kn über Grund, aber ich kann das Schiff in den Böen der Stärke 9-10 nicht halten. Vor Top und Takel kommen wir dann immer noch auf über 7 kn. Nach drei Meilen haben wir die Zone der Fallböen verlassen und können die Fock wieder ausrollen und mit den vorhergesagten 6-7 Bft. recht gemütlich nach Ak. Sounion laufen (Kopf war also auch im Recht), auch wenn dem einen oder anderen das Frühstück nicht ganz bekommen war.

Es ist ja eigentlich kein Wunder, daß Poseidon manchmal etwas grantig ist und mit seinem Dreizack herumwirbelt. Er wird ständig vollgesch... und vollgekotzt. Da kann man doch schon mal etwas verärgert sein.

Vor Anker unter seinem Tempel bei Ak. Sounion zeigt er sich aber dann doch noch gnädig und wir schaffen es, den AB wiederzubeleben und zum Laufen zu bekommen. Gut, daß wir Gulasch für die Bordküche eingekauft hatten, denn so richtig trauen wir dem AB für den Landgang bei immer noch 6 Bft nicht. Aber falls ich nochmals auf die Idee kommen sollte, bei solchen Böen ohne zwingende Notwendigkeit auszulaufen möge man mir einen Tritt in den Allerwertesten geben und mich an Karystos erinnern ;)

Da der Meltemi die nächsten Tage wenn auch abgeschwächt immer noch durch die Kykladen pfeifen soll, zieht es uns in ruhigere Gefilde und wir fahren nach Ermioni. Beim Queren des Saronischen Golfes haben wir eine seltene Begegnung:+





A. meint, daß es sich um eines der neuen deutschen Flüster-Uboote handelt, die wir an die Griechen verkauft haben.

Da der Ankerplatz in der Ermioni Nordbucht mal wieder voll ist, legen wir an der Südpier an und genießen unser Abendessen im von S. per Trip-Advisor ausgesuchten Restaurant.




Weiter geht es Richtung Kilada wo wir ob der Temperaturen von 36 Grad lieber Ankern um besser Schwimmen zu können. Unerwartet ist hier nachts mal wieder eine Buchtbeschallungsanlage in Betrieb. Das hatte ich bei meinen vorherigen Besuchen nicht erlebt. Aber vielleicht liegt es am Samstag und am August.

Nach ein paar kleinen Reparaturen geht es weiter nach Vivari, wo schon gegen 15 Uhr der Anker fällt. Unterwegs können wir einigen Schildkröten zuwinken und bewundern, wie auf der Privatinsel im Eingang zur Kilada Bucht ein schnittiger Heli die Familie vom Einkaufsbummel in Athen zurückbringt.

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