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Wir verlassen Nisiros am nächsten Tag und steuern Kalymnos an. Die dazwischen liegende Insel Kos reizt uns irgendwie nicht.

In Kalymnos können wir an der Stadtpier festmachen - und dürfen wenig später auch zum ersten mal seit Kreta Hafengeld bezahlen. 10 Euro pro Tag. Der Kassierer entschuldigt sich für die gestiegene Mehrwertsteuer, aber das sei ja Merkels Schuld. In der Tat verlangte die Troika die Aufhebung der reduzierten Steuersätze für die meisten Inseln.

Zumindest brauchen wir dem Herrn des selbsternannten Mooring-Services für das Annehmen der Leinen keine drei Euro zahlen wie die später ankommende Crew eines Charterkatamarans. Bei uns hatte der Mensch wohl noch keinen Dienst.

Potia, Kalymnos Hauptort, ist fast schon eine Großstadt und zieht sich von einer Seite der Insel durch ein Tal bis zur anderen Seite. Es gibt hier auffällig viele gut gepflegte Häuser und statt üblichen weiß und blau geht es hier richtig bunt zu.

 

Kalymnos ist ein Paradies für Freeclimber. Leider auch für ein paar Idioten, die den ganzen Tag lang von einer Steilwand Böller unterschiedlicher Stärke ins Tal fallen lassen. Durch das Echo von der gegenüberliegenden Steilwand klingt das, als würden die Türken angreifen. Der Rest der Bevölkerung ist es offenbar gewohnt und nimmt es gelassen.

Und noch etwas gibt es auf Kalymnos, nämlich die besten Schwämme von Griechenland.

Dieses perfekte Exemplar eines Elephantenohren-Schwamms hat mit Rabatt knapp 30 Euro gekostet. Jährlich exportiert die Insel nach wie vor 50 Tonnen Naturschwämme und überall gibt es Outlets.

Am besten kauft man jedoch von dem Verkäufer direkt an der Hafenpromenade gleich links von der Fußgängerzone. Er überzeugte uns mit profundem Wissen über die Schwämme und hervorragende Qualität. Zwischen diesen Schwämmen und denen, die  man in Deutschland im Drogeriemarkt kaufen kann liegen Welten.

Und eine *hust* funktionierende Abwrackindustrie hat Kalymnos auch noch.

 

Kurz vor dem Ablegen nach drei Nächten Aufenthalt begrüßen uns noch mehrere Riesenbarakudas, die wir bereits zuvor in der Auslage eines an der Hafenpromenade gelegenen Fischladens bewundern konnten.

Wir fahren weiter und wollten den aufkommenden Starkwind aus Süd eigentlich in einer Buch auf der NW-Seite von Kalymnos abwarten. Von NW herablaufende Dünung läst uns das aber unklug erscheinen und wir fahren gleich weiter nach Leros auf die Ostseite in die Ormos Alinda.

Nach vier Versuchen schaffen wir es endlich, den Anker auf einen Flecken Sand fallen zu lassen und können sicher sein, daß er hält. 2 Stunden später, der in Potia gekaufte Bonito ist bereits in der Pfanne, dreht der Wind über das vorhergesagte SE hinaus auf E und frischt auf 30 kn auf. Unser Heck ist nur noch 30m vom Ufer entfernt und die Entfernung sinkt. Also wieder Anker auf und eine halbe Stunde etwas um die Insel herum in die Ormos Palouki, die tief in die Nordküste von Leros einschneidet. Hier ist der Ankergrund zum Glück besser und mit 75m Kette draußen können wir endlich unser Abendessen beenden. Allerdings verholen wir mit dem letzten Büchsenlicht doch nochmal um 100m, denn bei der angesagten Drehung auf SW hätten wir Probleme mit unserem Swoijkreis bekommen. 

Wir bleiben einen Tag hier und geniessen die Ruhe, die nur vom Geklimper einer großen Ziegenherde unterbrochen wird, die die Ufer abgrast.

Am 18.4. geht es dann gegen den Uhrzeigersinn weiter um Leros herum in die Bucht von Lakki. Dort gibt es zwei Marinas und einen kostenlosen Stadtquay. Theoretisch.

Praktisch blockiert jedoch Katherine B diesen in voller Länge, so daß uns nur wieder der Anker bleibt, wollen wir nicht 50 Euro pro Nacht berappen.

Zum ersten mal seit Kreta müssen wir unseren Außenborder benutzen. Kein Problem, ist der noch frisch gewartet nach dem unfreiwilligen Bad im letzten Jahr.

Nur daß er nur mit Choke und mit viel Gas läuft. Im Leerlauf oder ohne Choke geht er sofort wieder aus. Nach einer Stunde bin ich des Experimentieren und Schraubens überflüssig und wir notieren den alten Tohatsu zusätzlich ans Dinghy, der seit zwei Jahren nicht mehr gelaufen ist. Der springt sofort an und wir tuckern in die Evrios Marina, wo wir Marios, den AB Wunderheiler treffen. Wunderheiler deswegen, weil er mit seinen magischen Händen der AB nur anfassen mußte und dieser schnurrte wieder wie ein Kätzchen.

Im Nachhinein vermute ich, daß bei mir noch Luft im Benzinschlauch vom Tank war und durch das nochmalige Ab- und Anstöpseln dieses Problem gelöst wurde.

Es war Marios sichtlich peinlich, die 20 Euro anzunehmen, die ich ihm in die Hand drückte. Er habe doch gar nichts gemacht.

Nun können wir endlich den Ort besuchen. Dieser ist aber eher enttäuschend und wirkt fast wie ausgestorben, auch wenn wir hier zum ersten mal eine größere Anzahl von Flüchtlingen sehen, die sich ihre Lagerkost mit Angeln aufzubessern versuchen. Die Straßen von Lakki sind zwar schön breit und alles hat einen gewissen italienischen Flair, aber wir können nicht wirklich einen Bezug zu dem Ort aufbauen. Dafür entdecken wir den größten Obst- und Gemüseladen, der mit in Griechenland bisher untergekommen ist.

Zumindest die Versorgung für unsere nächsten Tage ist also gesichert, hält uns der aufkommende Nordwind mit bis zu 30 kn doch erst einmal vom weiteren Weg nach Samos ab.

 

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