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Ich verlasse Ikaria, als der Wetterbericht einen angenehmen NE für die Überfahrt nach Mykonos verspricht. Das Versprechen wird auch gehalten - leider nur für 4 der ca 50 sm :(

Den Rest muß Mister Yanmar mal wieder bewältigen. Ich habe die Berichte von den Buchten an der Südseite von Mykonos gelesen. Ohrenbetäubende Buchtbeschallung wird dort bei einigen versprochen, schlechter Ankergrund bei anderen.

Was ich sehe sind diverse Motor (und auch einige Segel) Yachten der Megaklasse, die dort vor Anker liegen. Da will ich mich mit meiner 14m Nußschale nicht reindrängeln ;)

Die westlichste der Südbuchten ist davon zwar verschont, dafür ist der ankerbare Platz mit Mooringbojen zugepflastert.

Da die Flaute bzw. der leichte Südwind (sic !) auch noch in den nächsten Tag anhalten soll ankere ich auf der Westseite unterhalb der bekannten fünf Windmühlen.

Nach einer ruhigen Nacht fahre ich mit dem Dinghy in die Stadt. Der alte Stadthafen ist inzwischen für Segler gesperrt. Nur noch Megamotoryachten dürfen dort festmachen. Alles andere wird in die Marina verwiesen, die weiter nördlich abseits des Trubels liegt. Dort gab es mal ein Mooringsystem, das in Resten noch auf dem Grund liegt. Der lokale Taucher hat für das Befreien von Ankern eine Standardpauschale von 130 Euro ;)

Mykonos Stadt ist mal wieder ein Kulturschock. Ein Vanity Shop neben dem anderen und selbst Mitte Mail bereits Menschenmengen.

Daran sind nicht zuletzt die Kreuzfahrer Schuld, die sich vor Mykonos die Klinke - äh den Ankerplatz - in die Hand geben und die Stadt mit ihrer Fracht überfluten.

Trotzdem finde ich nach einigem Suchen die drei wichtigsten Läden: Supermarkt, Metzger und Bäcker und kann ich mich für die nächsten Tage verproviantieren. Es lebe das Gefrierfach.

Später am Tag geht es weiter nach Rinia 5 sm westlich von Mykonos - Meltemi ist angesagt, viel zu früh für den Kalender. Ich ankere in der Ormos Kasari, die ich vom letzten Jahr bereits kenne. Ein Stück Teakholz, was ich damals am Strand gefunden hatte, dient nun als Halterung für mein Rettungshufheisen.

Ein paar Tage bleibe ich hier und nutze die Zeit an meiner Anker Alarm App zu arbeiten - Praxistest inklusive. Täglich kommen zwei Tagescharterboote von Mykonos herüber. Ins Wasser geht kaum jemand. Dafür ist es wohl zu windig. Unter 20kn geht gar nichts. Ansonsten ist es hier traumhaft ruhig und abends flaut es glücklicherweise immer etwas ab.

Einen Tag, an dem Aeolus mal Luft holt, nutze ich, um zurück nach Mykonos zu fahren, kommt dort noch in ein paar Tagen K. mit dem Flieger an.

In der Super Paradise Bay im Süden soll es einen Platz geben, wo man gut und sicher mit Landleine liegen kann. Ich ankere erst mal so und bringe mit dem Dinghy 100m Leine an Land, gehe wieder Ankerauf um mit der Leine im Schlepp neu zu Ankern. Leider rutscht die jedoch vom Felsen hab und bevor ich einen neuen Versuch starten kann, legt sich ein Tagescharterer dort vor Anker.

Als der wieder weg ist kommt Plan B. 50m Schwimmleine - diesmal an einem anderen Felsen -, ein Fender und der Dinghyanker bilden eine provisorische Mooring, die ich beim Rückwärtsranfahren aufnehmen kann. Perferkt. Ich liege in der Super Paradise Bay vor dem Super Paradise Beach und dem Super Paradise Beachclub.

Hier komme ich nun endlich in den Genuß der versprochenen Buchtbeschallung. Diese setzt gegen 15 Uhr an und hört zum Glück um 23 Uhr wieder auf. Meist ist die Musikauswahl sogar erträglich.

Versorgungsmöglichkeiten gibt es hier ausser einem Shop für Strandzubehör und einem überteuerten Selbsbedienungsrestaurant keine. Dafür kostet eine doppelte Strandliege 35 Euro. Immerhin mit Sonnenschirm ;)

Alle möglichen Wasserspielzeuge sind hier in Betrieb. Vom Raketenrucksack bis zum Jetski. Fürs Parasailing ist wohl zuviel Wind.

Ansonsten ist dort Dauerparty:

https://youtu.be/eoT_KipUDrM

Am Samstag, ich will gerade in die Koje, höre ich komische Geräusche. Im Dingy sitzt zusammengekauert auf einmal eines der Partygirls. Nachdem sie sich auf Englisch besonnen hat, versuche ich herauszufinden, was los ist, und warum sie in meinem Dinghy sitzt. So ganz klar wird es mir nicht, zumal der Alkoholpegel (und möglicherweise nicht nur der) schon beachtlich zu sein scheint, dem Geruch nach zu urteilen. Sie war wohl schwimmen von einem anderen Boot aus und kam nicht mehr zurück und hat sich ins Dinghy gerettet - die Badeleiter daneben ignorierend. Sie möchte gerne in ihre Unterkunft zurück und zeigt Richtung Felsen.

Da es mir unklug erscheint, sie auf einem Felsen abzusetzen, bringe ich sie lieber zurück an den Strand. Unterwegs sehe ich auch das andere Boot. Vielleicht besser, wenn sie da erstmal nicht wieder drauf geht. Das nächste mal ist vielleicht kein Dinghy da. Unter tausend Entschuldigungen von ihr setze ich sie am Schwimmsteg des Strandes ab.

Am Montag Abend kommt K. endlich an, noch sichtlich geschockt von den 20 Euro für das Taxi für 4 km Strecke und die Tage im Super Paradies nähern sich dem Ende.