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Porto Heli ist eigentlich kein Ort zum längeren Verweilen. Man liegt in der großen Bucht zwar gut geschützt bei fast allen Winden, aber an Land hat es auf der einen Seite das Ambiente eines NATO Stützpunktes (als der die Hafenanlage ursprünglich auch mal geplant war) und auf der anderen Seite das von Bucht beschallenden Hotelanlagen und Wassersportzentren.

Dafür gibt es hinter der Marina in spe einen großen AB Supermarkt. Sogar der kleine Dinghy Anleger, davor der dem Bau der Marina weichen musste, wurde in improvisierter Form wiederhergestellt, auch wenn man dazu über die Baustelle an Land gehen muss.

Hier erfahre ich, dass ich wohl einen schottischen Akzent habe, denn ein Brite hält mich erst einmal für einen Schotten. Man lernt immer wieder was dazu ;)

Nach zwei Nächten in der Bucht geht es wieder zurück nach Ermioni, an unseren Stammplatz unterhalb der mit Pinien bewachsenen Halbinsel. Für irgendwelche Aktivitäten an Land ist es viel zu heiß, so der Tagesablauf in erster Linie aus mehrfachem Schwimmen besteht und abends, wenn es etwas kühler ist, in die Taverne. Sogar K., die eigentlich nicht immer Essen gehen möchte, ist es zu heiß, um an Bord zu kochen.

Ein paar Tage später bringe ich sie kurz vor 5 Uhr morgens mit dem Dinghy zur Bushaltestelle für den Bus nach Athen. Die Fähre wäre zeitlich knapp geworden, um den Flieger noch zu erreichen. Da ich nunmal schon wach bin geht es gleich weiter nach Poros - ich muss dringend zum Friseur ;) und Wäsche waschen. Nachdem die Wäscherei in Ermioni mich zweimal recht unfreundlich zum Teufel geschickt hat, weil sie voll waren, mache ich das lieber in Poros. Da ist es eh billiger.

Letztes Jahr mochte ich Poros eigentlich noch recht gern, aber inzwischen ist mir der Ort einfach zu laut und zu geschäftig. Aber sie haben immer noch das beste Eis der Gegend dort :). Und der Ankerplatz vor der Stadt ist auch nicht so mein Ding. Zwar liegt man recht geschützt, aber auf 17m mit entsprechend langer Kette und Swojkreis. Und in die Stadt ist es dann mit dem Dinghy doch ein Stück.

Ich bestelle bei Spiros, einem der beiden Schiffsausrüster vor Ort, eine Beleuchtung fürs Dinghy, denn die dunkleren Abendstunden kommen ja bald wieder, und verschwinde dann ganz in den Westen des Poros Sundes in die Ormos Vlathi. Dort liegt man abseits des ganzen Trubels bei den üblichen nördlichen und westlichen Winden sehr ruhig. Manche kommen auch gar nicht mehr weg.

Ich gehe zunächst in eine schon recht volle Seitenbucht und will mit Landleine ankern. Ein netter Grieche, der gerade vorbeischwimmt, erspart mir dir mühselige Arbeit und bringt für mich die Leine an einen Felsen aus. Als ich das später kontrolliere stelle ich fest, dass der Felsbrocken recht wackelig ist und ich den von Hand bewegen kann. Nicht wirklich eine vertrauenserweckende Festmachemöglichkeit. Ich suche mir zwei andere Brocken, sie stabil aussehen und die ich auch nicht rumschubsen kann und mache die Leine und eine weitere daran fest.

Ich bin gerade beim Essen machen und es frischt etwas auf und ich wundere mich warum das Schiff sich so komisch bewegt. Es stellt sich heraus, das meine beiden Felsen wohl zur Gattung der Rolling Stones gehören, jedenfalls rollten sie ob des Zuges an den Leinen zur Seite und schüttelten die Leinen ab. Zumindest waren nun beide frei und ich konnte sie bequem einholen, bevor ich aus der Nebenbucht in die Hauptbucht flüchtete.

Ich pendle noch ein oder zweimal zwischen der Bucht und Poros hin und her zum Einkaufen und um zu hören, dass die Beleuchtung doch noch nicht da ist, bevor ich wieder zurück nach Ermioni fahre. Wind ist seit Wochen wo anders, aber nicht hier und es ist selbst in der Nacht selten unter 30 Grad. Ein paar Gewitter sorgen nur vorrübergehend für eine Brise und etwas Abkühlung, sind für meinen Geschmack aber zu nah. Zum ersten mal bringe ich an den Wanten die Erdungsdrähte aus, die ich seinerzeit an Bord vorgefunden hatte. Irgendwann kommen Blitz und der rollende Donner doch zeitgleich und über mir explodiert der Himmel. Aber so schnell er kam, so schnell ist der Spuk wieder vorbei, leider nicht ganz ohne Folgen, wie ich ein paar Tage später feststellen muss, als ich meine Instrumente einschalte. Offenbar hat es die Windgebereineit im Masttop erwischt. Nicht durch einen direkten Treffer, aber der EMP des Blitzes hat wohl die Elektronik gebraten. Sie stört nun den gesamten NMEA 2000 Bus so dass nichts mehr geht. Erst als ich den Sensor aus dem Bus herausnehme, funktionieren die anderen Instrumente wieder.

Ich fahre also wieder zurück nach Poros zu Spiros (die Lampe ist inzwischen da) und bestelle über ihn beim B&G Händler in Athen Ersatz. Nicht vor Ende August lieferbar. Ich übersetze das mal mit Mitte September. Zurück geht es wieder nach Ermioni und ich muss mich erstmal wieder an den steifen Hals vom Blick auf den Windex gewöhnen.

In Ermioni gibt es ein Jugendsommerlager von Pfadfindern oder so etwas ähnlichem. Sogar einen Jugendkutter haben die. Etwas, was bei uns ja fast schon ausgestorben ist.

Und im Schatten des Pinienwäldchens auf der Halbinsel scheinen die Jungs und Mädels recht aktiv zu sein. Immer wieder hört man die Trillerpfeife des Trainers. Nur die Rothemden geben mir etwas zu denken (Star Trek Insider).

Während ich mich durch die Pizzakarte der Taverne auf der Südseite der Stadt esse (die haben mit die besten Pizzen, die mir in Griechenland bisher untergekommen sind) entsteht an Bord langsam die iOS Version meiner Ankeralarm App.

Eines Abends werde ich auf dem Weg zurück zum Schiff vor meinem Dinghy stehend von zwei Frauen angesprochen. Es sind deutsche Charterer mit einem kleinen Problem. Beim Anlanden mit ihrem Dinghy haben sie es irgendwie geschafft eben dieses beim Aussteigen umzuwerfen, samt Außenborder. Und die Dinger mögen Bäder nun nicht besonders, wie ich aus Erfahrung weiß. Paddel haben sie natürlich auch keine dabei. Nun sitzt einer noch an Bord und fünf sind an Land und wissen nicht wie sie wieder zueinander kommen sollen.

Da ich auf Mykonos ja schon Erfahung mit der Rettung von Meerjungfrauen sammeln konnte. Lade ich die beiden Mädels in mein Dinghy ein wir fahren zusammen zum Fähranleger, wo der Recht des Landteams wartet. Ja richtig, Fähranleger. Da haben die versucht anzulanden. Naja, so ein Dinghy ist ja gewissermaßen auch eine Fähre.

Die dritte Mehrjungfrau weigert sich standhaft, auch nur einen Fuß nochmal in ihr eigenes Dingy zu setzen, also wird sie auch bei mir eingeladen und die beiden Männer in deren Dinghy verfrachtet, das ich dann im Schlepp zusammen mit meiner Fracht zurück zu ihrem Schiff bringe. Zum Dank wechselt eine Packung Mythos und eine Flasche Ouzo den Besitzer. Das paßt dann auch zu der großen Motoryacht Ouzo Palace, die gestern hier festgemacht hatte.

 

 

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