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Wer öfter im Mittelmeer und speziell in Griechenland römisch-katholisch anlegt, also mit Buganker und Heck zur Pier, der wird früher oder später mit einem typisch mediterranem Gericht Bekanntschaft machen, dem Ankersalat.

Oder wie es Rod Heikel in seinem Griechenlandführer schreibt: "Crossed anchors are a fact of life and there is nothing you can do about it."

Dieser Salat kann durchaus in verschiedenen Geschmacksrichtungen und mit diversen Dressings auftreten und ist als Snack beim täglichen Hafenkino sehr beliebt - außer man muß ihn selbst verzehren. Daher hier ein paar Tips, wie man dieses spezielle Gericht zu sich nimmt ohne sich dabei zu blamieren.

Ankersalat kann immer dann auftreten, wenn ein nach einem selbst ankommender Nachbarlieger (das kann durchaus auch zwei oder drei Plätze weiter sein) seine Kette samt Anker über unsere bereits liegende Kette legt. Meistens sogar ohne böse Absicht, denn die Positionen sind der bereits liegenden Anker sind anhand der Ketten nur schwer zu erkennen. Daher ist es immer hilfreich einen Neuankömmling durch Handzeichen auf die Lage der eigenen Kette aufmerksam zu machen. Handzeichen - bitte kein lautes Gebrüll. Ein ausgestreckter Arm der die Richtung der eigenen Kette anzeigt, ist eindeutig zu verstehen.

Wenn es aber dennoch passiert ist und man beim Ablegen am nächsten Morgen den Anker nicht hochbekommt oder mehr als man erwartet hatte - Don't Panic (um mit Douglas Adams zu sprechen). Wildes hin und her fahren ist eher kontraproduktiv und erfreut nur die Besucher des Hafenkinos.

Fall 1:

Man merkt, daß der eigene Anker immer langsamer und schwerer hochkommt und an der Kette des Nachbarliegers, die man beim Ablegen immer im Auge behalten sollte, wackelt es verdächtig. Meist gefolgt vom Erscheinen des anderen Skippers auf dem Vordeck.

Wenn also der "Gegner" eindeutig identifiziert ist, bittet man diesen, seine Ankerkette ein paar Meter zu fieren. Wenn der clever ist, wird der das im Eigeninteresse tun, damit wir nicht auch noch seinen Anker aus dem Grund reißen. Gegebenenfalls wird dieser während des Manövers die Maschine starten, um sein Heck von der Pier abzuhalten. Nun sollte es ein leichtes sein, den Anker samt fremder Kette soweit hochzuholen, dass man an die Kette drankommt. Das schaffen bei entlasteter Kette meist auch die notorisch schwachbrüstigen Ankerwinschen auf Charterschiffen. Wird die fremde Kette dagegen nicht entlastet, braucht es eine deutlich stärkere Winsch und die Gefahr besteht, dass nicht nur die fremde Kette sondern auch der dazugehörige Anker hochkommt.

Ist nun die fremde Kette in Sichtweite oder im Idealfall bis zum eigenen Bug hochgeholt, unterfängt man diese mit einem Tappen, den man mit beiden Enden an Bord belegt. Nun ist die Kette fixiert und man fiert den eigenen Anker wieder ein Stück ab, damit dieser von der Kette freikommt. Evtl. ein bisschen mit den Bootshaken schubsen. Sobald die innige Verbindung zwischen eigenem Anker und fremder Kette aufgelöst wurde, kann man ein Ende des Tampens wieder lösen und die fremde Kette rauscht auf den Grund zurück. Das signalisiert man dessen Besitzer und zieht die Kette wieder an. Alle sind glücklich und zufrieden.

Kann man die fremde Kette, aus was für Gründen auch immer, nicht weit genug aufholen, um sie zu unterfangen, muß jemand ins Wasser oder Dinghy und versuchen die Kette von dort aus zu erreichen. Hilfreich ist in diesem Fall solch ein Kettenfanghaken.

 

Mit der einen Leine hält man die fremde Kette, mit der anderen Leine löst man sie. Solch ein Teil sollte auf keinem Schiff in Griechenland fehlen.

 

Fall 2:

Sollte man das Pech haben, nicht die Kette sondern den fremden Anker erfaßt zu haben, wird das viele Ankerwinschen vor eine Belastungsprobe stellen. Wenn die Kraft nicht ausreicht, muß man mit Hilfsleinen auf die Schotwinschen arbeiten um das Metallgewirr zumindest soweit hochzuholen, um es entwirren zu können. Auch hier sollte man den fremden Anker als erstes mit einer Hilfsleine sichern. Manchmal muß man beim Entwirren vom Dinghy aus nachhelfen. Achtung Handschuhe !

Der Besitzer des fremden Ankers wird es übrigens sehr zu schätzen wissen, wenn man den nach der Befreiungsaktion nicht einfach an beliebiger Stelle wieder ins Wasser wirft, womöglich nun auch noch über die Ketten von bisher unbeteiligten, sondern diesen wieder soweit wie möglich ausfährt und in Absprache mit dem Besitzer fallen lässt. So hat dieser zumindest eine Chance, dass der Anker sich wieder eingräbt und er nicht ab- und erneut anlegen muß.

Mit diesen Manövern ist es möglich, die meisten Fälle von Ankersalat aufzulösen ohne dass der Blutdruck bei einem der beteiligten zu sehr ansteigt. Schwieriger wird es natürlich, wenn das "gegnerische" Schiff unbesetzt ist und die fremde Kette nicht zur Unterstützung gelöst werden kann. Wenn die eigene Winsch stark genug ist, endet das dann meist in Fall 2 . Im ungünstigsten Fall hilft jedoch nur noch ein Tauchgang.

Es gibt auch Spezialisten, die schaffen es gleich zwei oder mehr fremde Ketten zu erfassen. Die Vorgehensweise ist dabei aber die gleiche.

Nochmal: planloses Vor- und Zurückfahren kann manchmal (selten) zum Ziel führen, meist veschlimmert es aber die Situation nur und sorgt für erhöhten Blutdruck aller Beteiligten - und kann zu noch mehr Beteiligten führen.

Hilfreich kann es auch sein jemanden mit Taucherbrille im Wasser zu haben. Wenn man sieht, was man tut, ist das schon die halbe Miete. Dann muß man natürlich noch mal extra vorsichtig beim Manövrieren sein. Wenn der Rudergänger die Person im Wasser nicht sieht - Finger weg vom Gashebel !

Manchmal kann man sich aber auch viel Stress und Aufregung sparen indem man einfach wartet, bis der potentielle Gegner abgelegt hat. Und wenn das eine 30m Motoryacht mit tonnenschwerer Kette ist, wie mir beinahe in Skiathos mal passiert, bleibt einem eh nichts anderes übrig.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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