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Ich verbringe einige Tage an der Südpier von Poros. Im Gegensatz zu meinen deutschen Nachbarn habe ich Glück und kann ruhig liegen bleiben. Er hingegen darf in drei Tagen dreimal neu anlegen, weil ihm irgend ein Dödel den Anker rausreißt. Am vierten Tag hat er die Nase voll und fährt in die Nordbucht von Poros.

Mitte September kommt E. an Bord, eine langjährige Mitseglerin, die im Moment allerdings mit kaputten Knien zu kämpfen hat. Aber sie will es trotzdem nochmal probieren und da sie die Badeleiter zum Dinghy hoch und runter kommt wollen wir es mal versuchen.

Wie fahren meine inzwischen schon zum Standard gewordene Warteschleife in den Argostolischen Golf ab und besuchen Spathi, Ermioni, Dokos, Porto Heli, Kilada und Tolo. Nicht viel Wind auf dem Törn, aber das ist auch ganz gut so. Wind hatte ich diese Saison schon genug und auch für E. ist es besser so. Es geht ganz gut und so hat E. die Hoffnung, der Seglerwelt nicht ganz verloren zu gehen. Am Ende der Woche kommt ihr Freund und Nichtsegler U. noch dazu und die beiden bleiben noch ein paar Tage in Poros, während ich mich - windbedingt - nach Ermioni verziehe bevor ich wieder nach Poros fahr um dort die letzte Tage vor der Überfahrt nach Kreta zu verbringen.

Anfang Oktober verabschiede ich mit zum letzten Mal für dieses Jahr von Poros und segle via Kythnos nach Livadi auf Serifos. Die erste Nacht verbringe ich vor Anker und kann zuschauen, wie bereits nach Sonnenuntergang eine ganze Regattaflotte versucht in dem Hafen und vor Anker unterzukommen. Letztlich legen sich die meisten auflandig (der Meltemi hat schon wieder voll eingesetzt) an die Nordseite des Fähranlegers während andere ihr Glück vor Anker versuchen. Dabei rammt einer eine gut beleuchtete bereits vor Anker liegende Yacht. Zum Glück scheint es keine größeren Schäden zu geben.

Ich entdecke am nächsten Tag eine passende Lücke an der Innseite der Nordmole der "Marina" und verhole mich dorthin und gehe längseits. Nicht ohne daß sich eine Achterleine selbstständig macht und innigen Kontakt mit der Schraube sucht. Zum Glück liege ich schon halb fest. Noch bevor ich meine Sachen rauskramen kann ist bereits ein Nachbar im Wasser und tüdelt die Leine wieder frei. Eine Flasche Rosé wechselt den Besitzer.

Hier warte ich auf K., die für den Weg nach Kreta wieder einmal an Bord kommt.

Am nächsten Abend läuft, kurz vorm Dunkel werden, eine entmastete Yacht in die Bucht ein und ankert, den Mast noch im Schlepptau. Von Land aus sieht es so aus als wäre alles unter Kontrolle und als ob professionelle Hilfe geleistet würde. Ein Fischer fährt mehrfach hin und her, mal mit Port Police an Bord, mal ohne. Das der Anschein trügt, erfahre ich erst am folgenden Tag im Gespräch mit dem Skipper der havarierten Yacht.

Die einzige Hilfe der Port Police bestand nämlich darin die Papiere einzusammeln und den Skipper aufzufordern, sofort den Ankerplatz zu räumen, weil der im Drehkreis der Fähre läge. Das war zwar richtig, jedoch benötigt die Fähre diesen Platz nur beim Anlegen auf der Nordseite vom Anleger - und das tut sie nur bei Südwind. Es war aber Meltemi. Und auf den Einwand des Skippers, er könne mit seinen derzeit ca. 20m Tiefgang (der Mast hing ja noch dran) wohl schlecht in den Hafen einlaufen, hieß es nur, das sei sein Problem.

An Bord war allerdings nicht das Werkzeug vorhanden, um das Chaos unter Kontrolle zu bringen. Die Flex, die er dringend gebraucht hätte, wäre im Hafen vorhanden gewesen, nur wußten wir nichts von seinem Bedarf und es hatte ja den Anschein, als würde bereits professionell geholfen. Merke: Das nächste mal lieber einmal zu viel als einmal zu wenig rausfahren und selber nachfragen ob was fehlt.

Irgendwann kam dann wohl doch noch vom Vercharterer organisierte Hilfe an und am nächsten Morgen lag das Schiff in der Marina und der Mast war an der Fährpier angelandet worden.

Das tollste war dann noch, daß die Port Police das Übersetzen mit dem Fischer und das Überreichen eines Bolzenschneiders als Bergung werten und das Schiff beschlagnahmen wollte. Tags zuvor hatte mich noch ein Brite gewarnt, die Port Police hier in Livadi sei korrupt. Scheint was dran zu sein. Zum Glück kannte sich der Skipper als Patentinhaber mit dem Bergungsrecht aus und hat sich geweigert das Schiff zu verlassen. Das geschah dann erst Tage später, als der Vercharterer mit einem Ersatzschiff ankam.

Auch nachdem K. einige Tage später ankam, hielt uns der Meltemi noch weitere 10 Tage auf Serifos fest. Es gab kein geeignetes Wetterfenster für die Weiterfahrt nach Kreta und wir lagen hier gut und sicher und mit hohem Kinopotential. Es gab immer wieder interessante Moment, wenn Schiffe in die Marina einliefen oder ausliefen. In den (wenigen) Moorings verfangene Anker waren da noch das kleinste Problem. Da wir praktischerweise genau gegenüber lagen konnten wir mehrfach einen verfangegen Anker rückwärts herausziehen.

Mit uns verweilte auch eine Charteryacht mit israelischer Crew, die sich ihren dreiwöchigen Törn auch etwas anders vorgestellt hatten, als eine eine Woche in Livadi zu liegen.

Doch Mitte Oktober konnten wir endlich die 45 Meilen nach Ios fahren und von dort nach einer kurzen Pause weiter nach Anafi, der südlichsten der Kykladen um dort mit dem Sonnenaufgang die 60+ sm nach Kreta in Angriff zu nehmen.

 

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