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Wir bleiben ein paar Tage in Leros vor Anker um ein Abflauen des Nordwindes abzuwarten und treffen uns währenddessen mit R. auf dem Mittelmeer-Skipper-Forum, der in der Leros Marina gerade sein Schiff startklar macht.

Endlich können wir weiter und springen eine Insel weiter nach Lipsi. Dort können wir in einer schnuckeligen Privatbucht (weil viel mehr als ein Schiff passt nicht rein) ankern. Alles auf Lipsi wirkt sehr gepflegt. Nur unseren gesammelten Müll, den werden wir nicht los. Auf Lipsi herrscht strikte Mülltrennung und Recycling. Selbst die kleinen Mülleimer am Straßenrand sind sortenrein:

Außer diesen haben wir nirgends Mülltonnen gesehen. Es gibt wohl eine zentrale Annahmestelle, die heute am Sonntag aber nicht besetzt ist. Und selbst wenn sie es wäre, müßten wir unsere Tüten wohl vorher wieder auspacken und sortieren.

So löblich das Konzept sein mag, irgendwie erscheint mir die praktische Umsetzung doch mal wieder recht griechisch zu sein. Unverrichteter Dinge nehmen wir unseren Müll also wieder mit an Bord.

Da der Schwell vor unserer Privatbucht nicht halt macht, fahren wir am nächsten Tag weiter nach Phytagorion auf Samos, der Insel, die Pythagoras für sich beansprucht, und schrammen dabei nur wenige hundert Meter an der türkischen Grenze vorbei.

In Phytagorion (Preisfrage - woher kommt wohl der Name) hat man extra zu Saisonbeginn nigel nagel neue Moorings gelegt. Ich weiß davon aus dem Mittelmeer-Skipper-Forum. Die meisten anderen wissen es nicht und schmeissen munter weiter ihren eigenen Anker. Ungefähr 15-20 Moorings warten dort nun auf Besucher. Leider ist die Lebensdauer von solchen Installationen in griechischen Stadthäfen immer sehr limitiert und es würde mich wundern, wenn zu Saisonende noch die Hälfte davon funktionsbereit wäre.

Phytagorion ist ein schnuckeliger und gepflegter Ort mit viel Grün.

Und man hat hier ganz bestimmte Vorstellungen von Regierung und Mitmenschen.

Ups... da hat sich wohl mehr verlaufen.

Das Müllproblem läßt uns übrigens nicht los. Zwar wird hier nichts getrennt, aber die großen Container sind in jede Richtung von der Stadtpier ca. 15 Minuten entfernt und die Mülleimer an der Hauptstraße haben nur eine dosengroße Öffnung.

Neben uns mach ein türkisches Motorboot mit deutschem Eigner fest. Er erzählt uns, dass er im Sommer immer Touristen zwischen Kusadasi und Samos herumschippert. Diesmal hat er eine Ladung Briten angelandet. Die übernachten nun im Hotel und am nächsten Tag nimmt er sie wieder zurück. Irgendwie haben wir den Eindruck, dass er das ganze recht unbedarft um nicht zu sagen naiv angeht. Einklarieren, Zoll, Sicherheitsausrüstung ? Wird alles überbewertet. Aber er scheint damit durchzukommen.

Eine Woche bleiben wir in Phytagorion. Irgendwann zwischendrin fliegt K. zurück nach Deutschland. Die Abende und Nächte werden deutlich lauter und ganze Touristenladungen werden mit der Fähre abgesetzt. Als auch noch Yannis auftaucht und damit beginnt Liegegebühren zu kassieren ist es Zeit für einen Wechsel. Immerhin hat man am letzten Tag noch Mülltonnen direkt an der Pier montiert.

Ich verhole in die benachbarte Marina zum tanken, denn entgegen den üblichen griechischen Gepflogenheiten ist es in Phytagorion nicht erlaubt, Yachten mit dem Tankwagen direkt an der Pier zu betanken. 355 Euro für 255 Liter Diesel ärmer geht es weiter und ich kann sogar Segel setzen (vorrübergehend). Mein Ziel ist Marathokampos. Dort gibt es eine neue Marina im griechischen Stil - sprich mit EU Mitteln finanziert und zu 80% zu Ende gebaut aber nun kümmert sich keiner mehr drum.

Ich drehe eine Runde in dem Hafen. Der Stadthafen ist winzig und ich habe eigentlich keine Lust römisch katholisch anzulegen. In der Marina liegt ein großes Fahrzeug der Küstenwache und an Land stehen Militärzelte. Und rechts und links wird lautstark gebaggert. Alles wenig einladend. Also bleibt es bei der Ehrenrunde und ich fahre die Küste weiter entlang.

Von den hohen Bergen kommen teilweise heftige Fallböen herunter. WNW 10-15 Knoten sind angesagt, also nichts wildes. aber die Fallböen gehen gerne mal auf 25kn hoch. Was ich nicht bedacht habe ist, dass sich der Wind in der Straße zwischen Samos und Fournoi glatt mal verdoppelt und ich habe aufeinmal 7 Bft von vorne samt zwei Meter Welle. Ich versuche den Kurs zu ändern Versuch und den längeren Weg auf der Ostseite von Fournoi zu nehmen. Das beschert mir tieffliegende Äpfel aus dem Obst- und Gemüsenetz über der Pantry und eine Schublade (natürlich ungesichert weil - siehe oben). Nun ja, die wollte ich sowieso mal aufräumen und neu einsortieren...

Ohne Segel quer zu den Wellen - keine gute Idee. Also Augen zu und durch. Meine Hoffnung, dass der Wind am Ausgang der Strasse wieder abnimmt erfüllt sich und ich kann den Rest der Strecke bis zu meiner Privatbucht (diesmal ist sie zwar größer, aber außer einem gelegentlichen Fischer stört niemand meine Ruhe) mit ausgerollter Genua zurücklegen. Nach mehr als doppelt so langer Strecke als ursprünglich geplant kann ich den Anker auf einem türkisfarbenem Fleck Wasser fallen lassen und die weißen, beweglichen Steine (aka Möwen) an den beiden kleinen Stränden beobachten, während ich mich dem gut verteilten Schubladeninhalt widmen.

 

 

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